
Ich kenne dieses Flattern im Brustkorb, das kommt, bevor überhaupt ein Grund dafür sichtbar ist. Bei mir meldet es sich noch heute manchmal mitten im ruhigsten Moment meines Altersteilzeit-Alltags, obwohl objektiv nichts anliegt außer einem freien Sonntag in der Regensburger Altstadt. Diese morgendliche Unruhe ist nicht einfach verschwunden, nur weil mein Stundenplan leichter geworden ist. Meine Zahlencode-Praxis am Küchentisch hat daran nichts grundlegend verändert — aber sie hat mir eine Art gegeben, mit dem Flattern zu sitzen, statt vor ihm davonzulaufen.
Offenlegung vorab, weil es mir wichtig ist: In diesen Sonntagszeilen stecken ein paar Affiliate-Links. Kaufst du darüber das Buch von Rosina Kaiser oder eine der Radionik-Lösungen, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass sich dein Preis dadurch ändert. Verlinkt ist nur, was tatsächlich auf meinem Küchentisch gelandet ist oder wonach frühere Kolleginnen mich gefragt haben. Am Ende der Seite findest du die ausführliche Fassung dieser Offenlegung.
Das Erbe aus dreiundzwanzig Jahren Klassenzimmer
Dreiundzwanzig Jahre lang habe ich an derselben Grundschule unterrichtet, mit derselben grünen Wandtafel und demselben abgegriffenen Lappen in der Ablage. Mein Körper hat sich in dieser Zeit eine Taktung angewöhnt, die sich nicht einfach abschalten lässt, nur weil ich inzwischen nur noch zwölf Stunden in der Woche vor einer Klasse stehe. Besonders sonntags, wenn eigentlich Ruhe einkehren sollte, meldet sich noch das alte Herzrasen von früher, zusammen mit diesem Kloß im Hals, den ich sonst nur vor einem Elternabend kannte.
Zur Klasse 3b, die ich 2019 unterrichtet habe, gehört ein Ringbuch mit Kinderzeichnungen, das heute noch bei mir steht. Damals dachte ich, die Unruhe am frühen Morgen gehöre einfach zum Lehrerinnenberuf, so wie der Pausenhof-Geräuschpegel oder der Jahresplaner mit den Ferientagen. Erst der langsame Burnout gegen Ende meiner aktiven Dienstjahre hat mir gezeigt, dass Stille und Frieden zwei verschiedene Dinge sind. Manchmal war die Stille in meiner Wohnung sogar lauter als jeder Pausenhof, weil sie dem Grübeln den ganzen Raum überlässt.

Warum eine Atemübung nicht gereicht hat
Bevor ich auf Rosina Kaisers Buch gestoßen bin, hatte ich es mit Atemübungen aus einem Volkshochschulkurs versucht. Zwei Wochen lang habe ich brav die Anleitungen durchgearbeitet, danach lagen die Unterlagen in einer Schublade und ich erinnerte mich an keine einzige Übung mehr. Es war kein schlechter Kurs — nur hat er sich angefühlt wie eine weitere Pflichtaufgabe, eine zusätzliche Hausaufgabe am Abend, für die ich einfach keine Kraft mehr übrig hatte.
Eine alte Studienfreundin aus Augsburg hat mir im Sommer 2024 das Buch Zahlen-Code [Mein Sonntagsbegleiter] von Rosina Kaiser in die Hand gedrückt, mit den Worten, es sei nur etwas Kleines für den Sonntag, nichts Großspuriges. Diese Freundin paddelt seit Jahren mit ihrem SUP-Board auf dem Lech, wann immer sie den Kopf frei bekommen muss, für sie ist Bewegung der Anker, für mich war es am Ende eher die Stille am Küchentisch. Ich war zunächst skeptisch, weil ich als Lehrerin gelernt habe, Fakten zu prüfen und nicht Zahlen zu deuten, aber die Neugier hat gewonnen. Inzwischen lese ich das Buch weniger wie ein Lehrwerk und mehr wie einen Wegweiser für die Konzentration an einem Nachmittag, an dem die Gedanken sonst überall sind.
Wenn die Zahlencode-Praxis an einem Morgen nicht greift
Nicht jeder Sonntag bringt eine Erkenntnis, und das will ich nicht schönreden. Es gibt Wochen, in denen ich die Tageszahl berechne, die Bedeutung nachlese und trotzdem nichts damit verbinden kann, keine Brücke zu meinem Alltag, kein Aha-Moment. Genau das ist einer der Punkte, an dem die Zahlencode-Praxis an ihre Grenzen kommt: Sie erklärt nicht jede Verstimmung, und sie ersetzt keine Antwort, die eigentlich woanders gesucht werden müsste.
Manchmal reicht schon der erste Strich der Tageszahl im Heft, um die Enge in der Brust ein wenig zu lockern. Für mich ist das eher ein Lösen des Kloßes im Hals als eine Analyse, ganz ohne Druck und ohne dass ich erklären könnte, warum genau das hilft.
Für Unruhe, die über ein flaues Sonntagsgefühl hinausgeht, reicht ein Heft ohnehin nicht. Wenn jemand über Wochen hinweg schlecht schläft oder sich die Anspannung festsetzt, gehört das in die Hände einer Ärztin, eines Psychotherapeuten oder einer Beratungsstelle, nicht in ein Leinen-Heft am Küchentisch. Das sage ich auch früheren Kolleginnen, die mich ab und zu nach dem Buch fragen — es ist ein Begleiter für ruhige Momente, keine Behandlung.

Am Donauufer in Stadtamhof wird die Struktur brüchig
An einem Vormittag im September bin ich über die Fußgängerbrücke nach Stadtamhof gegangen und am Donauufer bei der Eisernen Brücke stehen geblieben, weil die Zahl aus meinem Heft mir an diesem Morgen schlicht nichts gesagt hat. Das Wasser war trüb vom Regen der Nacht davor, ein Lastkahn zog langsam vorbei, und ich habe eine Weile einfach zugesehen, ohne weiter über die Tageszahl nachzudenken. Manchmal ist die ehrlichste Reaktion auf eine Zahl, die nichts erklärt, einfach das Heft zuzuklappen und sich woanders hinzustellen.
Ein Ringbuch ohne Widerstand
In der vierten Woche, in der ich regelmäßig sonntags mit dem Heft gesessen habe, ist mir beim Blättern im alten Ringbuch mit den Zeichnungen der Klasse 3b etwas aufgefallen, das vorher nicht da war: Ich habe die Buntstiftbilder angeschaut, ohne dass sich in meiner Brust irgendetwas zusammenzog, kein Druck, kein Wegschauen-Wollen, nur ein ruhiges Betrachten alter Linien. Es war kein großer Moment, eher ein kleines Fehlen von etwas, das vorher immer da gewesen war.
Das einzige Geräusch dabei war ein feines Ritschen von Grafit auf Stoff, wenn die Bleistiftspitze über den festen Einband fuhr und eine Ziffer ihren Rahmen bekam — ein Laut, der mir inzwischen vertrauter ist als das Läuten eines Weckers um sechs. Kein Gong, keine App, die vibriert, nur Grafit auf Leinen. Das klingt banal, aber genau diese Banalität ist es, die mir an ruhigen Sonntagen hilft, aus dem Kopf herauszukommen.
Was bleibt, wenn der Wecker nicht mehr um sechs klingelt?
Eine ehemalige Kollegin hat mich neulich nach Software gefragt, weil ihr das Buch zu analog sei — sie meinte Lösungen wie MeineRadionik oder den MeineRadionik Premium Videokurs. Davon habe ich selbst keine Ahnung und kann es nicht aus eigener Erfahrung empfehlen, ich kenne nur die Anfragen, die bei mir ankommen. Für mich bleibt das haptische Gefühl von Papier und Bleistift wichtig, so wie es mich einmal geerdet hat, Kindern beim vorsichtigen Setzen ihrer ersten Buchstaben zuzusehen. Es ist für mich eine Form von sinnvoller Beschäftigung in der Altersteilzeit, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Was von diesen Sonntagnachmittagen seit dem Sommer 2024 bleibt, ist keine Formel und keine endgültige Ruhe, sondern eine kleine Übung, die ich jederzeit wiederholen kann, wenn die Unruhe zurückkommt: erst hinsetzen, dann schreiben, erst danach urteilen, ob die Zahl an diesem Tag überhaupt etwas trifft. Allein diese Reihenfolge nimmt mir einen Teil des Drucks, weil ich nicht mehr sofort eine Antwort brauche.
Wenn du selbst nach einem kleinen Anker für deine Sonntage suchst, ohne dass gleich ein Kurs oder eine Diagnose draufstehen muss, dann kann ich dir das Buch Zahlen-Code [Mein Sonntagsbegleiter] von Rosina Kaiser nur ans Herz legen. Es braucht keine Vorkenntnisse, nur ein ruhiges halbes Stündchen und vielleicht eine Tasse Tee, die du dir in Ruhe aufgießt. Mein Heft liegt bereit für die nächste Zahl, auch wenn ich noch nicht weiß, was sie mir an diesem Sonntag sagen wird.