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Grenzen setzen im Kollegium durch die Kraft der Zahlen-Codes am Sonntag

Grenzen setzen im Kollegium mit Zahlencodes: Sonntagsritual einer Lehrerin in Regensburg

Die Meditations-App auf meinem Handy trug drei Monate lang ein rotes Benachrichtigungssymbol, das ich nie angetippt habe. Bezahlt hatte ich sie trotzdem, aus der stillen Hoffnung, dass mir jemand von außen zeigt, wie man im Kollegium Grenzen zieht, ohne unhöflich zu wirken. Was am Ende half, war kein Algorithmus, sondern ein einfacher Zahlencode aus Rosina Kaisers Buch, den ich seit meiner Altersteilzeit an meinem Küchentisch in der Ostengasse hier in Regensburg zur Hand nehme, wenn draußen die Woche wieder näherrückt. Aus dem Lehrer-Burnout, der mich Ende 2023 fast aus der Bahn geworfen hat, ist inzwischen ein leiseres, aber nicht müheloses Verhältnis zur Selbstfürsorge geworden.

Damals, kurz nachdem meine Altersteilzeit begonnen hatte, wollte ich einfach nur besser 'Nein' sagen können, ohne dass mir jedes Mal der Kloß im Hals hochstieg. Die App versprach genau das, in bunten Kacheln und mit einer freundlichen Stimme, die mir sagte, ich solle tief durchatmen. Geholfen hat sie mir nicht, weil sie nichts von meinem Stundenplan wusste, nichts vom Wasserkocher in der Pausenküche und nichts davon, wie unterschiedlich sich ein Dienstag und ein Mittwoch anfühlen können.

Handgeschriebene Notizen zur Tageszahl im Leinen-Heft neben einem alten Schulordner mit Kinderzeichnungen der Klasse 3b

Zwei Strategien gegen den Kloß im Hals im Kollegium

Ein Zahlencode aus dem Buch braucht keine Kacheln und keine freundliche Stimme. Ich trage meine Tageszahl, meine Lebenszahl und meine persönliche Jahreszahl von Hand in ein Leinen-Heft ein, jeden Sonntag am Küchentisch, mit dem Blick auf den kleinen Steinbrunnen im Hinterhof. Diese Art von Numerologie ist denkbar einfach aufgebaut, meist nur wenige Ziffern, aber genau diese Einfachheit ist der Unterschied zur App: Ich sehe sofort, ob die Woche nach Rückzug oder nach Bewegung aussieht, ohne eine Erinnerung, die mich erst noch daran erinnern muss, dass ich mich um mich kümmern wollte.

Papier lässt sich nicht stumm schalten. Das ist mir erst aufgefallen, nachdem ich die App schon lange gelöscht hatte: Ein Heft liegt entweder aufgeschlagen auf dem Tisch oder zugeklappt im Regal, es gibt kein drittes Benachrichtigungssymbol, das ich ignorieren kann. Im Alltag heißt das für mich vor allem, dass ich die Tageszahl am Sonntag notiere und am Montag noch weiß, was ich mir vorgenommen habe, während sich die App-Erinnerungen früher gegenseitig überschrieben haben. Hier in der Regensburger Altstadt, wo die Wege kurz sind und man sich im Kollegium ständig über den Weg läuft, macht sich das schnell bemerkbar.

Was passiert, wenn die Zahl mir wirklich den Rücken stärkt?

An einem Dienstagvormittag im Mai stand eine Kollegin vor mir, sichtlich unter Druck wegen der bevorstehenden Zeugniskonferenzen, und bat mich, einen Korrekturstapel mit zu übernehmen. Früher wäre mein 'Ja' schneller gekommen als mein Nachdenken. An diesem Morgen hatte ich meine Sonntagszahlen noch im Kopf: Die Woche stand klar auf Rückzug, kein Raum für zusätzliche Aufgaben. Ich spürte, wie der Kloß im Hals ausblieb, während ich ruhig erklärte, dass meine zwölf Wochenstunden für den Unterricht reserviert sind. Sie nickte, ohne zu insistieren, und mir wurde klar, dass mir die Zahl in diesem Moment nicht die Entscheidung abgenommen hatte, sondern nur den Mut dazu schneller gemacht.

Der eigentliche Widerstand kam nicht von ihr, sondern von der Stimme in mir, die dreiundzwanzig Jahre lang trainiert war, gebraucht zu werden. Dieser innere Kritiker hatte sich früher nach innen gerichtet, als ständiges Gefühl, nicht genug zu leisten, aber im Kollegium zeigt er sich heute anders: als das leise Gefühl, ich müsse mich rechtfertigen, wenn Kolleginnen selbstverständlich weiter mit mir rechnen, so wie sie es dreiundzwanzig Jahre lang durften. Die Zahl ersetzt diese Stimme nicht, aber sie gibt mir für einen Moment einen Grund, der nicht ich selbst bin.

Und was, wenn die Zahl schweigt

Nicht jede Woche liefert eine solche Klarheit. Ein Mittwoch im vergangenen Herbst zum Beispiel zeigte in meinem Heft keine besonders eindeutige Zahl, eher ein neutrales Mittelfeld, während gleichzeitig zwei Kolleginnen um Vertretung baten. Da half mir keine Rechnung weiter. Ich musste allein abwägen, wie viel ich an diesem Tag wirklich noch geben konnte, ohne mich auf ein Ordnungssystem berufen zu können. Das war unangenehmer als der Dienstag im Mai, aber ehrlicher, weil die Grenze aus mir selbst kam, nicht aus einer Ziffernfolge.

Wichtig ist mir dabei, ehrlich zu bleiben: Ich bin keine Heilpraktikerin und erst recht keine Therapeutin. Wenn der Druck im Kollegium sich in echten körperlichen Beschwerden zeigt, die über dieses vertraute Ziehen im Hals hinausgehen, gehört das in die Hände einer Ärztin oder einer Beratungsstelle, nicht in ein Leinen-Heft. Der Zahlencode ist für mich eine Sonntagsgewohnheit, kein Ersatz für professionelle Hilfe, wenn ein Burnout tiefer sitzt als ein einzelner stressiger Mittwoch.

Blick aus dem Altbaufenster in der Regensburger Altstadt auf den ruhigen Hinterhof mit Steinbrunnen

Offenheit statt Ausrede im Kollegium

Neulich saß ich im Café Orphée an der Wahlenstraße, einen Fencheltee vor mir, als Katharina Hummel an meinen Tisch trat. Ihre Tochter war vor einigen Jahren in meiner Klasse, und seither grüßen wir uns, wenn wir uns über den Weg laufen. Sie hat das Buch von Rosina Kaiser nicht gelesen, fragte aber trotzdem genau nach, was ich sonntags eigentlich in mein Heft schreibe, ganz konkret, nicht die Theorie dahinter. Ich erklärte ihr, dass ich meine Woche inzwischen offener bespreche, auch im Kollegium: Wenn eine Kollegin fragt, ob ich einspringen kann, sage ich inzwischen dazu, dass ich sonntags meine Kapazität für die Woche festlege, statt einfach nur 'Nein' zu sagen und die Erklärung schuldig zu bleiben.

Gertraud Pflüger aus dem ersten Stock hört sich das meistens einfach an, wenn wir uns auf der engen Treppe zwischen Briefkästen und Kinderwagen begegnen, ohne weiter nachzufragen, und manchmal reicht genau das mehr als jeder Rat. Andere fragen konkreter nach, etwa eine ehemalige Kollegin, die sich für Radionik-Software wie EasyRadionik oder MeineRadionik interessiert, weil eine Bekannte davon erzählt hat. Davon habe ich wirklich keine Ahnung und kann dazu nichts empfehlen, das gehört in ein anderes Feld als meine Sonntage mit Zahlen und Papier. Wer mehr über den Rollenwechsel weg vom Klassenzimmer lesen möchte, findet in meinem Text zur neuen Identität nach dem Lehrerberuf durch das Sonntagsjournal mehr dazu, wie sich das für mich angefühlt hat.

Wann ich mich auf den Zahlencode verlasse, und wann nicht

Manchmal frage ich mich selbst, wann ich der Rechnung eigentlich vertraue und wann nicht. Am ehesten verlasse ich mich auf die Zahl, wenn ich vorher planen kann, sonntags, mit Ruhe und Fencheltee, bevor die Woche überhaupt begonnen hat. Dann gibt mir eine klare Tageszahl einen Anhaltspunkt, ob ich zusätzliche Aufgaben ablehnen sollte, so wie an jenem Dienstag im Mai. Steht eine Bitte dagegen mitten in einer hektischen Woche im Raum, für die ich am Sonntag keine Vorbereitung hatte, verlasse ich mich lieber auf das, was mein Körper mir gerade sagt, den Kloß im Hals oder eben dessen Fehlen, und nicht auf eine Ziffer, die diese Situation nicht kennt. Für alle, die genau an diesem Punkt einsteigen wollen, ohne gleich das ganze Buch zu lesen, habe ich einen kleineren Text zu Heilzahlen gegen den Kloß im Hals bei Stress im Lehrerberuf geschrieben, der genau bei diesem Körpergefühl ansetzt.

Der Steinbrunnen im Hinterhof ist inzwischen leiser geworden, oder ich höre einfach genauer hin, während der Nachmittag hier in der Altstadt langsam in den Abend kippt. Neulich bin ich morgens vor dem Wecker aufgewacht und habe zum ersten Mal seit langem nicht sofort im Kopf nachgerechnet, wie viele Stunden Schlaf mir noch fehlen, das Zimmer war einfach nur hell und still. Mein Leinen-Heft bleibt heute zu, die Meditations-App ist längst gelöscht, und der Kloß im Hals, mit dem ich jahrelang jeden Elternabend begonnen habe, meldet sich seltener. Kein System ersetzt hier das andere vollständig, weder die Zahl noch das Bauchgefühl, aber zusammen ergeben sie inzwischen etwas, worauf ich mich am Dienstag verlassen kann, wenn im Lehrerzimmer wieder jemand fragt, ob ich nicht doch noch übernehmen könnte.

Wichtig: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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