
Muss man sich nach einem Burnout im Lehrerberuf wirklich neu erfinden, um in der Altersteilzeit wieder zu wissen, wer man ist? Diese Frage begegnet mir andauernd, seit ich hier in Regensburg jedes Wochenende mein Sonntagsjournal mit dem Zahlen-Code führe, als gäbe es irgendwo eine fertige neue Identität, die nur noch entdeckt werden will. Meine Erfahrung mit dem Zahlen-Code sagt mir mittlerweile etwas anderes, und genau darüber will ich schreiben.
Bevor es weitergeht, kurz zur Transparenz: Manche Links in diesem Text sind Affiliate-Links. Kaufst du über einen davon das Buch oder eines der genannten Programme, bekomme ich eine kleine Provision, ohne dass sich dein Preis ändert. Ich schreibe ausschließlich über das, was ich selbst am Küchentisch in der Ostengasse ausprobiert habe. Meine vollständige Offenlegung findest du unten verlinkt, und noch etwas Wichtiges vorab: Ich bin weder Ärztin noch Therapeutin, meine Erfahrungen ersetzen keine medizinische oder psychologische Behandlung. Wenn dich die Erschöpfung gerade fest im Griff hat, wende dich bitte an deinen Hausarzt oder eine Beratungsstelle.
Der Mythos von der fertigen neuen Identität
Dreiundzwanzig Jahre lang war ich Frau Haselbeck, mit einem Jahresplaner voller Elternabende und einer Rolle, die sich wie meine ganze Person anfühlte. Als die Altersteilzeit begann, dachte ich, jetzt müsste bald eine neue, fertige Version von mir auftauchen, so wie es in den Ratgebern klingt, die ich damals gelesen habe. Stattdessen passierte lange gar nichts, was sich nach einer Antwort anfühlte, und genau das hat mich zu Beginn ziemlich verunsichert.
Genau hier liegt der Denkfehler, den ich inzwischen für den größten Mythos rund um den Berufsausstieg halte: dass Identität wie ein fertiges Bild irgendwo wartet und nur noch enthüllt werden muss. Ich musste lernen, dass emotionale Entlastung für Lehrerinnen nicht einfach durch weniger Unterrichtsstunden entsteht, sondern durch eine neue innere Ordnung, die sich Stück für Stück zusammensetzt. Anders als bei Human Design oder Astrologie, wo ich mich nie eingearbeitet habe, bleibt der Zahlen-Code für mich das System, das diese Ordnung am ehesten sichtbar macht, ohne dass es sich nach einer Analyse anfühlt.
Eine Studienfreundin hat mir irgendwann Rosina Kaisers Zahlen-Code [Mein Sonntagsbegleiter] in die Hand gedrückt, mit den Worten, es sei nichts Großspuriges, nur etwas Kleines für den Sonntag. Genau als so ein kleines, unspektakuläres Werkzeug hat es sich auch erwiesen, und das ist für mich der eigentliche Punkt: Es musste nicht die große Antwort liefern, um trotzdem zu helfen.
Der Kloß im Hals, den ich mir aus den Jahren an der grünen Wandtafel mitgenommen hatte, ist ein gutes Beispiel dafür, wie Identität wirklich verschwindet oder eben nicht verschwindet. Es gab keinen Moment, in dem sich alles auf einmal klärte. Ich erinnere mich nur an einen Donnerstagmorgen auf dem Weg zur Schule, als mir auffiel, dass dieser vertraute Druck im Hals einfach nicht mehr da war, ohne dass ich hätte sagen können, wann genau er verschwunden ist.

Was bleibt von der alten Rolle übrig?
Meine frühere Kollegin Helga Wittmann ist inzwischen selbst in reduzierter Arbeitszeit, und wenn wir uns treffen, erkennt sie oft aus dem Stand, welches Kind welche Eltern hatte, auch Jahre später noch. Das hat mir gezeigt, dass altes Wissen und alte Fähigkeiten nicht einfach abgeschafft werden, wenn eine Rolle endet, sie verschieben sich nur dorthin, wohin man vorher nicht geschaut hat. Der Mythos von der komplett neuen Identität übersieht genau das: Man baut nicht bei null auf, man ordnet um, was schon da ist.
Perfektionismus ist der andere Teil, der nicht einfach verschwindet. Ich habe dreiundzwanzig Jahre lang Kinderarbeiten benotet, und der innere Kritiker, der dabei entstanden ist, hört nicht auf, nur weil man weniger unterrichtet. Im Alltag zeigt sich das eher in kleinen Szenen als in großen Einsichten, etwa wenn ich beim Notieren meiner Tageszahl merke, dass ich am liebsten wieder eine richtige und eine falsche Antwort hätte, obwohl der Zahlen-Code genau das nicht liefert.
Die Zahlen erklären die Vergangenheit nicht rückwirkend
Eine Leserin namens Agathe Lindner hat vor einiger Zeit unter einem Blogeintrag über die Tageszahl gefragt, ob man sie auch rückwirkend für vergangene Tage berechnen kann, um zu verstehen, was damals eigentlich los war. Die ehrliche Antwort ist Nein, und genau darin steckt eine zweite Version desselben Mythos: dass man die alte Identität erst nachträglich vollständig verstehen und aufräumen muss, bevor man weitermachen darf. Es hilft trotzdem, die Lebenszahl verstehen zu lernen, bevor man sich zu sehr in Interpretationen verliert.
Auch die persönliche Jahreszahl oder die Heilzahlen ändern daran nichts: Sie beschreiben eine Tendenz für die Gegenwart, keine Erklärung für zwanzig Jahre Grundschule, die man nachträglich aufrechnen könnte. Wer eine schnelle Antwort auf die große Frage sucht, wird bei Rosina Kaiser enttäuscht, und das ist meiner Meinung nach auch gut so. Der feste Rahmen am Sonntagnachmittag hilft mir dabei, ohne dass ich jede Woche etwas Neues erwarten müsste.

Radionik als Randnotiz einer ehemaligen Kollegin
Helga war es auch, die mir irgendwann von Radionik-Software erzählte, die angeblich alles noch präziser berechnen kann. Ich habe es einmal versucht, saß vor einer Oberfläche voller Einstellungen und spürte sofort den alten Digitalisierungs-Stress aus den Fortbildungstagen der Schule wieder in den Schläfen. Für mich war klar: Das ist nicht mein Weg, auch wenn ich verstehe, dass andere damit gut arbeiten.
Für Leserinnen, die lieber digital arbeiten, kann eine Software wie MeineRadionik oder die etwas einfachere EasyRadionik durchaus eine sinnvolle Ergänzung sein, es gibt inzwischen sogar einen Videokurs dazu, von dem ich aber ehrlich keine Ahnung habe. Mein Leinen-Heft bleibt Papier, während andere lieber am Bildschirm arbeiten, und beides ist in Ordnung. Wenn der Kopf zu voll ist, kann die Zeitersparnis durch EasyRadionik für manche der praktischere Weg sein, aber für mich bleibt die Langsamkeit des Sonntagsjournals wichtiger.

Kleine Wiederholungen zählen mehr als ein großer Moment
Das Stressmanagement-Seminar, das die Bildungsgewerkschaft während meiner letzten Dienstjahre angeboten hat, hat bei mir wenig bewirkt, es fühlte sich eher wie eine weitere Pflichtfortbildung an als wie echte Entlastung. Das Sonntagsjournal hat mir dagegen geholfen, den Sonntagsblues zu überwinden, der mich früher oft schon ab Mittag gelähmt hat, wahrscheinlich gerade weil niemand eine Teilnahmebestätigung dafür verlangt.
Wenn du selbst gerade aus einem Beruf aussteigst oder merkst, dass eine neue Identität partout nicht als fertiges Ganzes ankommen will, wäre mein Rat, nicht auf den einen großen Moment zu warten. Achte stattdessen auf die kleinen Wiederholungen, die sich von selbst einstellen, ein Griff, der leichter wird, ein Satz, den du plötzlich ruhiger sagst, eine alte Fähigkeit, die in neuem Zusammenhang wieder auftaucht. Das sind die eigentlichen Zeichen, nicht ein einziger dramatischer Wendepunkt.
Ein Werkzeug ohne Leistungsdruck hilft dabei mehr als jede Checkliste, und für mich war das Zahlen-Code [Mein Sonntagsbegleiter] von Rosina Kaiser genau das, ohne dass ich es als Lösung für alles verstehen würde. Es bleibt ein Heft, ein Tee, der zu heiß ist, und eine halbe Stunde am Sonntag, mehr nicht, aber genau diese Bescheidenheit ist es, die den Mythos von der einen großen neuen Identität am Ende widerlegt. Vielleicht findest du deine eigene Version davon, ganz ohne dass es sich wie eine Verwandlung anfühlen muss.