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Fencheltee und Heilzahlen: Wie kleine Rituale mir in der Altersteilzeit helfen

Fencheltee und Heilzahlen in der Altersteilzeit: Leinen-Heft und Teetasse auf dem Küchentisch in der Regensburger Altstadt

Drei Einträge, dann Stille. So weit kam ich mit dem ersten Tagebuch, das ich mir kurz nach meinem Antrag auf Altersteilzeit gekauft hatte, ein Leineneinband-Heft für gute Vorsätze und ruhige Abende nach der Schule. Nach der dritten Seite blieb es zugeklappt und wanderte ins Regal, zwischen alte Unterlagen und ein Kochbuch, das ich nie aufgeschlagen habe. Mit den Zahlen aus Rosina Kaisers Buch ist es seitdem anders gelaufen, hier am Küchentisch in der Ostengasse, auch wenn ich am Anfang nicht viel Hoffnung hatte, dass mich ausgerechnet eine Ziffernfolge durch die stillen Nachmittage nach meinem Burnout tragen würde.

Warum blieb das Tagebuch im Regal?

Das Tagebuch fühlte sich vor allem wie eine neue Pflicht an, in einer Zeit, in der ich gerade erst lernte, ohne Klingelzeichen auszukommen. Meine alte Studienfreundin Marianne Grötsch hat mir das Zahlen-Code-Buch im Juni 2024 in die Hand gedrückt, mit den Worten, es sei nur etwas Kleines für den Sonntag, nichts Großspuriges. Marianne unterrichtet nach wie vor eine dritte Klasse in Augsburg, und zwischen unseren Nachrichten liegen oft Wochen – bis sie mir plötzlich, mitten im Nichts, eine Sprachnachricht mit einem bairischen Kochrezept schickt, so als würde sie ein Gespräch fortsetzen, das nie wirklich unterbrochen war. Anders als das Tagebuch hat mir die wöchentliche Zahl von Anfang an keine Leistung abverlangt, nur eine halbe Stunde am Küchentisch in meiner Wohnung in Regensburg.

Nahaufnahme eines Notizbuchs mit handgeschriebenen Heilzahlen-Reihen und einer Tasse Fencheltee als Sonntagsritual in der Altersteilzeit.

Eine Zahl verlangt am Sonntag keine Leistung von mir

Sonntags gegen drei setze ich mich hin, wähle eine Tageszahl und schreibe sie langsam auf, ungefähr so, wie ich es früher meinen Erstklässlern beim Schreibenlernen gezeigt habe, Ziffer für Ziffer, ohne Eile. Die Weichholzdielen unter dem Tisch knarren dabei fast immer an derselben Stelle, kurz bevor ich mich setze, und die schiefe Lavendelvase vom Markt steht links neben der Wasserkocher-Nische, ein bisschen windschief, aber genau am richtigen Platz. Der Fencheltee ist an diesen Nachmittagen fast immer zu heiß, wenn ich die erste Seite aufschlage, und trotzdem gehört genau dieser Moment inzwischen so selbstverständlich zum Sonntag wie früher der Wochenplan für Montag.

Perfekt muss dabei nichts sein, auch wenn die alte Gewohnheit, alles richtig machen zu wollen, ab und zu noch durchschlägt – ein Rest aus dreiundzwanzig Jahren Klassenzimmer, den ich nicht über Nacht ablege. Neben der Tageszahl schaue ich inzwischen ab und zu auch auf die Lebenszahl, wenn eine Woche größere Fragen aufwirft als nur den nächsten Termin. Ein Heft und ein Bleistift reichen mir dafür völlig, eine App habe ich nie gebraucht, vielleicht auch, weil mich das Handschriftliche an all die Jahre am Lehrerpult erinnert, in denen Zettel und Stift die einzigen Werkzeuge waren, die wirklich zählten. Diese Ruhe ist auch der Grund, warum ich an anderer Stelle schon einmal beschrieben habe, wie ich innere Unruhe am Abend lindere, wenn der Sonntag sich dem Abend nähert und die alte Unruhe vor der neuen Woche zurückkommt.

Der Donauweg in Stadtamhof

An diesem Sonntag bin ich vormittags am Donauufer in Stadtamhof entlanggegangen, bis zur Eisernen Brücke, wo der Fluss breiter wird und die Ruderboote vorbeiziehen. In den ersten Monaten der Altersteilzeit stand ich oft genau dort und habe trotzdem nur an den Wochenplan für Dienstag gedacht, obwohl gar keine Klasse mehr auf mich wartete. Diesmal bin ich einfach stehen geblieben, ohne auf die Uhr zu schauen, und das war mehr wert als jede Zahl, die ich später am Küchentisch notiert habe. Auf solchen Wegen frage ich mich öfter, wie sich die neue Balance zwischen Schule und Rückzug eigentlich anfühlt, und genau dabei hilft mir, die persönliche Jahreszahl zu deuten, oft mehr als die Tageszahl allein.

In Woche sieben am Küchentisch innehalten

In der siebten Sonntagswoche seit jenem Juni habe ich das Ringbuch mit den Kinderzeichnungen der 3b aus dem Regal genommen, so wie ich es seit Monaten nicht mehr getan hatte. Sonst hat mir der Anblick dieser bunten Blätter fast immer die Kehle zugeschnürt, dieses Mal aber saß ich einfach da, blätterte durch und spürte keinen Widerstand mehr. Woche acht hat mir dann gleich wieder gezeigt, dass so ein Fortschritt kein Dauerzustand ist – die Tageszahl an jenem Sonntag hat mir überhaupt nichts gesagt, und am Ende stand nur 'nichts gespürt' in meinem Heft.

Blick aus dem Altbaufenster in der Regensburger Altstadt auf den ruhigen Hinterhof mit Steinbrunnen während der Sonntagsritual-Pause.

Eine Leserin aus Landshut hat mir vor Kurzem geschrieben, Bärbel Osterrieder, nachdem sie meinen dritten Blogeintrag gelesen hatte. Sie fragte unter anderem, wie ich die Zeitplanung in der Altersteilzeit überhaupt angehe, eine Frage, auf die ich ihr nur offen antworten konnte, dass ich das selbst noch Woche für Woche herausfinde. Eine frühere Kollegin hat mich außerdem einmal auf so eine Radionik-Software angesprochen, MeineRadionik oder EasyRadionik, ich bringe die Namen bis heute durcheinander, davon habe ich keine Ahnung und würde dazu auch nichts empfehlen, das ist nicht meine Praxis.

Was ich aus diesen Wochen am Küchentisch mitnehme, ist eigentlich schlicht: Ein Ritual muss nicht jeden Sonntag gelingen, um zu tragen. Ein Tagebuch scheitert, sobald man es sich selbst als Pflicht auferlegt, aber eine Zahl, die man auch mal übersieht oder falsch deutet, bleibt trotzdem ein Anker, solange man sie nicht zur nächsten Aufgabe macht, die erledigt werden muss. Ein Leinen-Heft, ein Fenchel, eine Zahlenfolge - dranbleiben zählt für mich inzwischen mehr als richtig machen, und das gilt am Donauufer genauso wie am Küchentisch in der Ostengasse.

Wichtig: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

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