
Die Lavendelvase auf meinem Tisch steht schief. Das war beim Kauf schon so, trotzdem ist sie mitgekommen. Neben ihr liegt das Leinen-Heft, in das ich seit einiger Zeit meine Heilzahlen eintrage – eine Zahlencode-Erfahrung, die in meinem Regensburger Altstadt-Alltag zu einem ruhigen Fixpunkt geworden ist. Als ehemalige Grundschullehrerin, jetzt in Altersteilzeit, war ich nach der Burnout-Phase auf der Suche nach einer Art Burnout-Prävention, die nicht nach einem weiteren Programm klingt, sondern einfach nach zwei Dingen auf einem Tisch, die an ihrem Platz bleiben.
Ein kurzer Hinweis, bevor es weitergeht: In diesen Zeilen stecken ein paar Empfehlungen, und wenn du über einen der Links ein Buch oder eine Software kaufst, bekomme ich eine kleine Provision. Am Preis für dich ändert das nichts. Ich schreibe nur über das, was tatsächlich auf meinem Tisch gelandet ist – die ausführliche Offenlegung steht ganz unten auf der Seite.
Der Altersteilzeit-Alltag und zwei unscheinbare Objekte
Dreiundzwanzig Jahre lang war mein Tag in Dreiviertelstunden-Takte eingeteilt, mit einer festen Klasse, einem festen Pausenklingeln und einer To-do-Liste, die nie wirklich leer wurde. Seit ich nur noch an zwei Vormittagen in der Woche unterrichte, ist genau diese äußere Struktur weggefallen, und mit ihr auch ein Teil dessen, was mir früher Halt gegeben hat. Die Lehrerrolle ablegen und im Privatleben ankommen mit dem Sonntagsjournal war für mich weniger ein Entschluss als ein langsames Herantasten – wie viel von der Lehrerin darf bleiben, wie viel davon war eigentlich nur Funktion. Die Lavendelvase und das Leinen-Heft haben in dieser Lücke eine Aufgabe übernommen, die kein Stundenplan mehr erfüllt: Sie markieren einen Moment in der Woche, der niemandem außer mir gehört, und sie nehmen mir einen Teil der gedanklichen Last ab, die sonst einfach weiterläuft, auch wenn der Unterricht längst vorbei ist.

Perfektionismus meldet sich dabei trotzdem, fast reflexhaft. Der innere Kritiker, der früher Rechtschreibfehler in Heften markiert hat, will auch im eigenen Leinen-Heft gerade Zeilen und ordentliche Absätze. Ich lasse das inzwischen bewusster stehen, wie es kommt – eine schiefe Zeile stört die Zahl dahinter nicht.
Tageszahl, Lebenszahl und persönliche Jahreszahl spielen unterschiedliche Rollen
Am Sonntagnachmittag kommt zuerst die Tageszahl an die Reihe, meistens in ein, zwei Sätzen – ein kurzer Blick darauf, was die Woche an Ton mitbringen könnte. Die Lebenszahl taucht seltener auf, eher wenn eine Entscheidung ansteht, die größer ist als der übliche Wochenrhythmus. Die persönliche Jahreszahl ziehe ich fast nie sonntags heran, sondern eher an ruhigen Abenden, wenn ich ohnehin über das größere Bild meiner Altersteilzeit nachdenke. Wie genau man jede dieser Zahlen berechnet, erkläre ich hier nicht im Detail – das würde diesen Nachmittag am Tisch in eine Rechenstunde verwandeln, und genau das soll er nicht sein. Was zählt, ist die Reihenfolge: erst die kleine Zahl für den Tag, dann, wenn nötig, die größeren Fragen. Der Zahlen-Code von Rosina Kaiser ist dabei nach wie vor das einzige Buch, das ich für diesen Einstieg nutze, ohne dass ich es als Lehrbuch lese.
Numerologie ist dabei nur eines von mehreren Systemen, mit denen Frauen in meinem Alter gerade neu anfangen – Human Design, Astrologie oder Tarot tauchen in denselben Gesprächen auf, wenn ich mit anderen Leserinnen schreibe, und jedes davon beschreibt offenbar etwas anders. Ich vergleiche das nicht im Detail, weil ich von den anderen Systemen zu wenig verstehe, aber im Alltag zeigt sich der Unterschied vor allem darin, wie viel Zeit ein System braucht, bevor man etwas davon hat. Die Tageszahl braucht bei mir keine zehn Minuten, und trotzdem taucht sie manchmal mitten in der Woche wieder auf – beim Warten auf die Straßenbahn, beim Abwasch, nicht nur sonntags am Tisch.
Was vor dem Zahlen-Code nicht funktioniert hat
Bevor die Lavendelvase und das Heft ihren Platz gefunden haben, habe ich anderes ausprobiert. Progressive Muskelentspannung nach Jacobson stand länger auf meiner Liste, empfohlen von einer Bekannten, die selbst gut damit zurechtkommt. Bei mir hat es nicht gepasst – ich lag auf dem Boden, sollte Muskelgruppe für Muskelgruppe anspannen und wieder loslassen, und kam mir dabei die ganze Zeit ziemlich albern vor, während mein Kopf längst wieder bei der nächsten Aufgabe war. Nach ein paar Anläufen habe ich es gelassen, nicht weil die Methode schlecht ist, sondern weil sie bei mir keine Ruhe ausgelöst hat, sondern eher noch eine Aufgabe mehr.
Was der Zahlen-Code stattdessen leistet, ist bescheidener, als es klingt. Manchmal löst das Aufschreiben einer Zahl einen Gedanken, der seit Tagen feststeckt – eine kleine emotionale Blockade, die sich eher durchs Schreiben als durchs bewusste Nachdenken löst. Das ist kein Mechanismus, den ich erklären kann, nur eine Beobachtung, die sich seitdem oft genug wiederholt hat.

Warum bleibt es beim Papier und nicht bei einer App?
Eine App würde vermutlich schneller gehen, mit Erinnerungsfunktion und automatischer Berechnung der Tageszahl. Ich habe es kurz ausprobiert und dann doch wieder das Leinen-Heft aufgeschlagen. Das Kratzen der Füllfeder verlangsamt mich auf eine Weise, die der Bildschirm nicht schafft, und genau diese Verlangsamung ist der eigentliche Punkt an einem Sonntagnachmittag, nicht die Genauigkeit der Berechnung. Fencheltee und Heilzahlen: Wie kleine Rituale mir in der Altersteilzeit helfen beschreibt genauer, wie kleine, fast unwichtig wirkende Gewohnheiten diesen Effekt zusätzlich verstärken.
Meine Studienfreundin aus Augsburg, die inzwischen einen Aquarellkurs an der dortigen Volkshochschule macht, hat mir das Buch von Rosina Kaiser einmal in die Hand gedrückt, mit dem Hinweis, es sei nichts Großspuriges, nur etwas Kleines für den Sonntag. Ich habe lange gebraucht, bis daraus mehr wurde als ein Buch im Regal. Auf dem Domplatz, im Herbstlicht vor dem Dom St. Peter, ist mir neulich aufgefallen, dass mein Atem von allein tiefer geworden war, ohne dass ich bewusst darauf geachtet hätte – kein großer Moment, eher ein kleiner, der mir erst beim zweiten Gedanken daran auffiel.
Grenzen erkennen, bevor die Zahlen zu viel versprechen
Was der Zahlen-Code nicht leistet, ist mindestens so wichtig wie das, was er leistet. Das frühere Engegefühl im Hals vor Elternabenden zum Beispiel beschreibe ich an anderer Stelle ausführlicher – hier nur so viel: Eine Zahl im Heft hat das nicht weggeredet, sie hat höchstens einen Rahmen gegeben, in dem ich es überhaupt bemerkt habe. Wer in der Regensburger Altstadt oder anderswo nach einem festen Ritual sucht, sollte das im Hinterkopf behalten – es ist ein Werkzeug zur Selbstbeobachtung, kein Ersatz für ärztliche oder therapeutische Hilfe, gerade nach einer Burnout-Phase nicht.
Eine ehemalige Kollegin hat mich vor kurzem nach MeineRadionik gefragt, einer Software, die deutlich technischer ansetzt als mein Leinen-Heft. Ich kenne mich damit nicht aus und kann sie auch nicht wirklich einordnen – wer einen technischeren Zugang sucht, findet dort vielleicht etwas, aber für meine Sonntage bleibt es beim Papier. Manche Leserinnen fragen auch nach EasyRadionik oder nach einem Video-Kurs zum selben Thema, doch das gehört für mich in ein anderes Regal als der Zahlen-Code.
Die Lavendelvase steht am Ende jedes Sonntags noch genauso schief wie am Anfang, und das Leinen-Heft ist voller Zahlen, die nicht immer ein Muster ergeben haben. Falls du selbst nach einem ruhigen Einstieg suchst, ist der Zahlen-Code von Rosina Kaiser das, was ich tatsächlich empfehlen kann – nicht als Lösung, sondern als ein Buch, das sich an einem Sonntagnachmittag lesen lässt, ohne dass gleich etwas Großes daraus werden muss. Fang mit der Tageszahl an, mehr braucht es zu Beginn nicht.