
Der Fencheltee in meiner Tasse ist eigentlich noch viel zu heiß, aber der Dampf trägt diesen vertrauten, leicht süßlichen Geruch bis ans offene Fenster. Draußen im Hinterhof plätschert der kleine Steinbrunnen hinter dem Bäcker Prantl einen gleichmäßigen Rhythmus, den ich erst jetzt, in der Stille meiner Altersteilzeit, richtig wahrnehme. Vor mir auf dem Küchentisch liegt mein Leinen-Heft, daneben die schiefe Lavendelvase, die ich im letzten Frühjahr auf dem Bauernmarkt am Neupfarrplatz gekauft habe. Es ist Sonntag, kurz nach drei, und ich spüre diese angenehme Schwere in den Schultern, die nichts mehr mit der Erschöpfung von früher zu tun hat.
Bevor ich weiter erzähle, ein kleiner Hinweis: In diesen Zeilen finden sich einige Empfehlungen. Wenn du über einen dieser Links ein Buch oder einen Kurs kaufst, erhalte ich eine kleine Provision. Für dich ändert sich der Preis natürlich nicht. Ich schreibe hier nur über Dinge, die ich in meinem eigenen Leinen-Heft und in meinem Alltag in Regensburg wirklich ausprobiert habe. Meine ausführliche Offenlegung findest du am Ende der Seite.
Vom Rhythmus der Schule zur Stille am Küchentisch
Dreiundzwanzig Jahre lang war mein Leben in Dreiviertelstunden-Takte unterteilt. Von 2001 bis zum Januar 2024 war ich Klassenlehrerin an der Clermont-Ferrand-Schule. Ich kenne das Geräusch des abgegriffenen Lappens auf der grünen Wandtafel und den Geruch der Pausenkasse in- und auswendig. Doch Ende 2023 schlich sich etwas ein, das ich lange ignorierte: ein Herzrasen morgens vor sechs, eine Schlaflosigkeit, die sich wie feiner Sand zwischen die Gedanken legte, und dieser Kloß im Hals vor jedem Elternabend. Es war ein langsames Ausbrennen, das schließlich dazu führte, dass ich meine Stunden auf zwölf reduzieren musste.
Heute unterrichte ich nur noch Dienstag und Donnerstag Vormittag. Den Rest der Woche versuche ich, die Lehrerin in mir ein wenig zur Ruhe kommen zu lassen. Das ist gar nicht so einfach, wenn man jahrelang darauf trainiert war, für dreißig Kinder gleichzeitig die Welt zu ordnen. Die Lehrerrolle ablegen und im Privatleben ankommen mit dem Sonntagsjournal war ein wichtiger Schritt für mich, um den Sonntag nicht mehr als bloße Vorbereitungszeit für den Montag zu sehen.

Wie der Zahlen-Code seinen Weg in die Ostengasse fand
Im Juni 2024, als ich gerade die ersten Monate meiner Altersteilzeit hinter mir hatte, drückte mir eine alte Studienfreundin aus Augsburg ein Buch in die Hand. Es war Rosina Kaisers Zahlen-Code. Sie nannte es etwas Kleines für den Sonntag, nichts Großspuriges. Zuerst war ich skeptisch. Als Grundschullehrerin habe ich einen tiefen Respekt vor Worten, aber Zahlen waren für mich immer eher etwas für das Rechenheft der 3b, für das Einmaleins und die Notenlisten.
Doch an einem Sonntagnachmittag im Juni saß ich hier, die Lavendelvase leuchtete im Gegenlicht, und ich fing an, meine Tageszahl zu berechnen. Es war kein mystischer Moment, eher ein handwerklicher. Das Kratzen der Füllfeder auf dem rauen Papier des Leinen-Hefts, während von draußen das leise Plätschern des Brunnens zu hören ist, hatte etwas ungemein Beruhigendes. Ich merkte, dass die Beschäftigung mit dem Zahlen-Code mir eine Struktur gab, die ich nach dem Wegfall des vollen Stundenplans schmerzlich vermisst hatte.
Dabei geht es mir nicht um esoterische Heilsversprechen. Ich bin keine Heilpraktikerin und keine Numerologin. Ich bin eine Frau mit einem weichen Bauch, die lernt, wieder tief durchzuatmen. Es ist wichtig zu betonen, dass solche Methoden niemals einen Arzt oder eine Therapie ersetzen können, besonders wenn man wie ich eine Burnout-Phase durchlebt hat. Sprechen Sie bei ernsthaften Beschwerden bitte immer mit Fachleuten der Krankenkasse oder Ihrem Hausarzt.
Ein Anker in der Woche: Die Arbeit mit dem Journal
Jeden Sonntag nehme ich mir nun eine halbe Stunde Zeit. Ich berechne die Tageszahl, manchmal auch die Lebenszahl, und notiere mir meine Gedanken dazu. Es ist wie ein leises Gespräch mit mir selbst. Letzten Dienstag nach dem Unterricht, als ich nach Hause kam und die Dom-Schatten schon lang über die Gassen fielen, merkte ich den Unterschied. Früher hätte ich mich sofort an die Korrekturen gesetzt. Heute blickte ich kurz in mein Journal und erinnerte mich an den Fokus der Woche.
Natürlich klappt das nicht immer. Ich erinnere mich an einen Moment vor ein paar Wochen, als ich versuchte, die Lebenszahl einer ehemaligen Kollegin zwischen Tür und Angel in der Pausenküche zu erklären. Es misslang völlig, ich verhedderte mich in den Erklärungen und fühlte mich kurz wie eine Hochstaplerin. Das ließ mich kurz an der ganzen Methode zweifeln. Aber dann begriff ich: Das Journal ist für mich, nicht für die Bühne. Es ist kein Lehrbuch, sondern ein Erfahrungsschatz.

Ein besonderer Moment war das Ausbleiben des Kloßes im Hals, als ich letzten Sonntag die Zahlen für die kommende Woche notierte – ein tiefes Durchatmen ohne Engegefühl. Das ist es, was die Arbeit mit den Heilzahlen für mich wertvoll macht. Es ist ein Werkzeug zur Selbstreflexion, ähnlich wie Fencheltee und Heilzahlen: Wie kleine Rituale mir in der Altersteilzeit helfen, um den Übergang vom Schuldienst in das neue Leben zu gestalten.
Wenn die Ruhe zur Herausforderung wird
Ich denke oft darüber nach, wie privilegiert meine Sonntage in der Regensburger Altstadt sind. Neulich sprach ich mit einer Frau am Gemüsestand am Neupfarrplatz, die ihren demenzkranken Vater pflegt. Sie erzählte mir, dass all diese Journaling-Tipps für sie wie Hohn klingen. In der Pflege gibt es keine festen Sonntagnachmittage. Die Belastung ist unvorhersehbar, die Konzentration wird ständig durchbrochen. Für Menschen in solchen Situationen ist ein festes Ritual oft kaum umsetzbar.
Und doch glaube ich, dass gerade dort die Heilzahlen einen winzigen Anker bieten können – nicht als langes Journaling-Projekt, sondern vielleicht nur als eine einzige Zahl, die man sich morgens auf einen Zettel schreibt, während der Wasserkocher läuft. Es geht nicht um die Perfektion des Leinen-Hefts, sondern um den kurzen Moment der Rückbesinnung auf sich selbst, auch wenn die Welt um einen herum laut und verwirrend ist.
Manche Leserinnen haben mich gefragt, ob ich auch Software-Lösungen nutze. Eine Kollegin erzählte mir von MeineRadionik, einer Software, die wohl tiefer in diese Materie einsteigt. Für mich persönlich passt das Kratzen der Feder auf Papier besser zu meinem Tempo, aber wer einen technischeren Zugang sucht, findet dort vielleicht eine Ergänzung. Für mich bleibt es vorerst beim Buch von Rosina Kaiser, das ich mittlerweile fast auswendig kenne.
Geduld mit den Zahlen und mit mir selbst
Es gibt Wochen, in denen ich gar keine Muster erkenne. Da steht dann eine Zahl in meinem Heft, und der Sonntag fühlt sich trotzdem einfach nur nach Regen und grauem Donau-Ufer an. Das ist in Ordnung. Ich habe gelernt, dass nicht jeder Tag eine tiefere Bedeutung preisgeben muss. Manchmal ist eine Zahl nur eine Zahl, und die Lavendelvase steht einfach nur schief da.
In meiner Zweizimmer-Altbauwohnung im zweiten Stock ist es jetzt fast Abend geworden. Die Sonne ist hinter den Dächern der Ostengasse verschwunden. Ich klappe mein Heft zu und streiche über den Einband. Ich bin keine Heilerin, ich bin nur eine Frau mit einer Lavendelvase, die endlich wieder ihre eigenen Zahlen sortiert. Nach dreiundzwanzig Jahren, in denen ich die Entwicklung anderer Kinder begleitet habe, darf ich jetzt meine eigene kleine Entwicklung in diesem neuen Lebensabschnitt beobachten.
Falls du auch nach einem sanften Einstieg suchst, kann ich dir den Zahlen-Code wirklich ans Herz legen. Es ist ein wunderbarer Begleiter für ruhige Nachmittage. Fang einfach klein an, vielleicht mit deiner Tageszahl am nächsten Sonntag. Es muss nicht perfekt sein – mein Journal ist es auch nicht, und gerade das macht es so wertvoll.