Zaerin

Die Lehrerrolle ablegen und im Privatleben ankommen mit dem Sonntagsjournal

Die Lehrerrolle ablegen und im Privatleben ankommen mit dem Sonntagsjournal

Draußen plätschert der kleine Steinbrunnen im Hinterhof, ein beständiges Geräusch, das mich seit meinem Umzug in die Ostengasse begleitet. Der Fencheltee in meiner Tasse dampft noch zu stark, und der Duft von frischem Brot aus der Backstube vom Bäcker Prantl zieht durch das geöffnete Fenster herein. Ich sitze an meinem Küchentisch, das Leinen-Heft aufgeschlagen, und spüre eine Ruhe, die ich dreiundzwanzig Jahre lang nicht kannte.

Hinweis: In meinen Sonntagsnotizen finden sich hin und wieder Affiliate-Links. Wenn du über einen dieser Links etwas kaufst, erhalte ich eine kleine Provision — für dich bleibt der Preis natürlich gleich. Ich schreibe hier nur über Dinge, die ich selbst an meinem Küchentisch ausprobiert habe. Meine vollständige Offenlegung findest du im Impressum.

Vom Klassenzimmer zum Küchentisch: Ein langsamer Abschied

Dreiundzwanzig Jahre lang war ich Frau Haselbeck. Dreiundzwanzig Jahre lang stand ich vor der grünen Wandtafel der Clermont-Ferrand-Schule im Westen Regensburgs, hantierte mit dem abgegriffenen Lappen und versuchte, die Unruhe im Pausenhof zu bändigen. Es war eine gute Zeit, meistens jedenfalls. Doch gegen Ende 2023 schlich sich etwas ein, das ich lange ignorierte. Ein Kloß im Hals vor jedem Elternabend, Herzrasen morgens vor sechs, wenn der Wecker klingelte. Ein langsames Burnout, das zwei Schuljahre lang wie Glut unter der Asche geschwelt hatte.

Im Januar 2024 zog ich die Reißleine. Seitdem unterrichte ich nur noch zwölf Wochenstunden in Altersteilzeit. Dienstags und donnerstags bin ich noch in der Schule, doch die Rolle der Klassenlehrerin habe ich abgegeben. Es war ein Prozess, die Identität als 'Frau Lehrerin' abzulegen und wieder einfach nur eine Frau in einer Zweizimmer-Altbauwohnung zu sein. Ich bin keine Numerologin und auch keine Heilpraktikerin, ich bin eine Lehrerin, die lernt, wieder auf sich selbst zu hören. Wenn es dir ähnlich geht, hilft vielleicht ein Blick auf die Ursachen für Burnout, wie ich es für mich getan habe.

Nahaufnahme einer alten Schultafel im Hintergrund und eines Lehrer-Wochenplans.

Das Sonntagsjournal als neuer Anker

Es war ein Sonntag im Juni 2024, als mir eine alte Studienfreundin aus Augsburg ein Buch in die Hand drückte: Rosina Kaisers Zahlen-Code. 'Irgendwas Kleines für den Sonntag', sagte sie. Ich war skeptisch. Als Grundschullehrerin ist man auf Logik und Lehrpläne getrimmt. Aber ich fing an, mich jeden Sonntagnachmittag gegen drei hinzusetzen. Ohne Korrekturstapel, ohne Unterrichtsvorbereitung. Nur ich, mein Heft und die Zahlen.

Inzwischen ist das Ritual fester Bestandteil meines Lebens geworden. Ich berechne meine Tageszahl oder meine Lebenszahl und lasse die Impulse wirken. Es ist kein Hexenwerk und kein Heilsversprechen. Manchmal, an einem trüben Nachmittag im November, sagen mir die Zahlen gar nichts. Dann klappe ich das Heft einfach zu und beobachte die Tauben auf dem Dach gegenüber. Aber oft ist es ein sanfter Wegweiser, um nach der Schule wirklich zu Hause anzukommen.

Der Moment mit dem Rotstift

Ein Erlebnis im letzten Herbst hat mir gezeigt, wie tief die Lehrerrolle in mir verwurzelt war. Ich saß an meinem Küchentisch und notierte meine Gedanken zur aktuellen Tageszahl. Plötzlich ertappte ich mich dabei, wie ich nach meinem roten Korrekturstift suchte. Ich wollte meine eigenen Tagebucheinträge 'berichtigen', als wären sie eine Matheprobe der 4. Klasse. In diesem Moment musste ich laut lachen. Ich hielt inne und dachte: 'Ich bin heute nicht Frau Lehrerin. Ich bin eine Frau in der Ostengasse mit einem blauen Tintenfüller und einem ruhigen Herzen.'

Das Buch Zahlen-Code [Mein Sonntagsbegleiter] hat mir dabei geholfen, diesen Perfektionismus abzulegen. Es ist keine starre Lehre, sondern eine Einladung zum Hinhören. Es hat eine Bewertung von 4.5 Sternen aus gutem Grund: Es ist bodenständig. Ich habe es sogar schon an eine ehemalige Kollegin verschenkt, die gerade mit der 3b in der stressigen Vorbereitungszeit steckt.

Ein blaues Tintenfass und ein abgelegter Rotstift auf einem hölzernen Tisch.

Mentale Trennung in der Prüfungsvorbereitung

Besonders schwierig ist das Ablegen der Lehrerrolle während der Prüfungsvorbereitungsphasen. Ich erinnere mich gut an die Jahre, in denen ich auch am Wochenende gedanklich nur bei den Leistungen meiner Schüler war. Standardtipps zum Abschalten versagen hier oft, weil der Termindruck so präsent ist. Das Sonntagsjournal schafft hier eine künstliche, aber notwendige Grenze. Es ist eine mentale Partition.

Wenn die Gedanken zu den Korrekturen wandern, hole ich mich über die Zahlen zurück ins Jetzt. Das ersetzt natürlich keine professionelle Hilfe bei echtem Burnout — da ist der Gang zum Hausarzt oder zur Beratungsstelle der Gewerkschaft unumgänglich —, aber es ist eine kleine Insel im Alltag. Für alle, die es technischer mögen, gibt es auch Software-Lösungen wie MeineRadionik, nach der mich neulich eine Leserin fragte. Für mein Leinen-Heft ist das nichts, aber wer gerne am Computer arbeitet, findet dort vielleicht seinen Zugang.

Kleine Rituale in der Altersteilzeit

In meiner Zeit an der Clermont-Ferrand-Schule war mein Leben von zweiundzwanzig Ferientagen und dem 45-Minuten-Takt bestimmt. Heute genieße ich die Freiheit meiner zwölf Stunden Unterricht. Dienstags und donnerstags bin ich noch Lehrerin, aber den Rest der Woche darf ich einfach nur ich sein. Die schiefe Lavendelvase vom Bauernmarkt am Neupfarrplatz erinnert mich daran, dass nicht alles perfekt symmetrisch sein muss — weder im Klassenzimmer noch im Leben.

Manchmal blättere ich in dem alten Ringbuch mit den Kinderzeichnungen von 2019, das noch in meinem Regal steht. Ich sehe die bunten Farben und lächle, aber ich spüre nicht mehr diesen Druck, alles kontrollieren zu müssen. Das Lernen von Geduld durch die Tageszahl war dabei ein wichtiger Baustein.

Der Schatten des Regensburger Doms auf einer Altstadtstraße am Nachmittag.

Ein ruhiger Ausblick

Heute ist ein Dienstag im September 2026. Gestern war ich nicht in der Schule, und morgen werde ich es auch nicht sein. Das Herzrasen morgens um sechs ist verschwunden. Stattdessen spüre ich eine ruhige Neugier darauf, was der Tag bringen mag. Wenn ich heute Nachmittag über die Steinerne Brücke spaziere und den Schatten des Doms beobachte, weiß ich, dass ich mehr bin als meine Dienstbezeichnung.

Falls du selbst nach einem Weg suchst, die Schule am Wochenende hinter dir zu lassen, kann ich dir Rosina Kaisers Ansatz nur ans Herz legen. Es ist ein sanfter Einstieg. Schau dir den Zahlen-Code einfach mal an. Es muss nicht alles sofort einen Sinn ergeben. Manchmal reicht es, eine halbe Stunde mit einer Tasse Tee am Tisch zu sitzen und der Stille zuzuhören, während unten in der Ostengasse das Leben vorbeizieht.

Bitte denk daran: Ich teile hier meine persönlichen Erfahrungen. Ich bin keine Ärztin. Wenn du dich dauerhaft erschöpft fühlst, sprich bitte mit einem Profi. Ein Journal kann eine wunderbare Ergänzung sein, aber keine medizinische Behandlung ersetzen.

Wichtig: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

Verwandte Artikel