
Es ist spät geworden an diesem Sonntag im Oktober 2026. Draußen in der Ostengasse ist es still, nur das leise Plätschern des Steinbrunnens im Hinterhof dringt zu mir herauf in den zweiten Stock. Ich sitze an meinem Küchentisch, vor mir steht eine Tasse Fencheltee, dessen Dampf in der kühlen Abendluft feine Schlieren zieht. Neben mir liegt mein altes Leinen-Heft, in dem ich seit nunmehr über zwei Jahren meine Gedanken und Beobachtungen zu den Zahlencodes festhalte. Es ist dieser besondere Moment der Stille, in dem das Herzrasen, das mich früher oft bis in die frühen Morgenstunden verfolgt hat, langsam einer tiefen Ruhe weicht. Ich blicke auf die Rückseite der Bäckerei Prantl und spüre, wie die Anspannung der vergangenen Woche von mir abfällt.
Dreiundzwanzig Jahre lang war mein Leben vom Takt der Clermont-Ferrand-Schule bestimmt. Dreiundzwanzig Jahre, in denen ich hauptsächlich dritte und vierte Klassen durch den Schulalltag begleitet habe. Ich erinnere mich noch gut an die grüne Wandtafel und den abgegriffenen Lappen, der immer ein wenig zu feucht war. Damals, als ich noch als Frau Haselbeck vor der Klasse stand, war Stress mein ständiger Begleiter. Es war ein schleichender Prozess, ein Burnout, das sich über zwei Schuljahre hinweg ankündigte. Schlaflosigkeit war das erste Zeichen. Jeden Abend lag ich wach und korrigierte im Kopf imaginäre Aufsätze oder bereitete mich auf den nächsten Elternabend vor, der wie ein schwerer Kloß in meinem Hals saß.
Der lange Weg von der Tafel zur inneren Ruhe
Seit Januar 2024 hat sich vieles verändert. Meine Altersteilzeit mit nur noch 12 Wochenstunden Unterricht an Dienstagen und Donnerstagen hat mir den Raum gegeben, den ich so dringend brauchte. Doch die Einschlafprobleme verschwanden nicht einfach mit der Reduzierung der Stunden. Das Nervensystem eines Lehrers scheint auf eine jahrzehntelange Überreizung programmiert zu sein. Selbst wenn ich nur noch zwei Vormittage in der Schule bin, hallt das Geräusch des Pausenhofs oft noch stundenlang in mir nach. Es ist, als würde der Körper immer noch auf das Signal warten, das ihn in den Alarmzustand versetzt, obwohl die Klasse 3b von damals längst andere Wege geht.
Im Juni 2024 schenkte mir eine alte Studienfreundin aus Augsburg das Buch von Rosina Kaiser. Sie meinte, es sei etwas Kleines für den Sonntag, nichts Großspuriges. Zuerst war ich skeptisch. Ich bin keine Heilpraktikerin, keine Numerologin und ganz sicher keine spirituelle Lehrerin. Ich bin eine Frau mit einem weichen Bauch, die gerne über den Bauernmarkt am Neupfarrplatz bummelt und Lavendel in schiefen Vasen mag. Doch das Arbeiten mit den Zahlen hat mir etwas gegeben, das ich im pädagogischen Alltag oft vermisst habe: Struktur für die Seele.

Ich begann damit, jeden Sonntagnachmittag eine halbe Stunde am Küchentisch zu sitzen und meine Tageszahl zu berechnen. Es war ein einfaches Ritual, ähnlich wie das Vorbereiten eines Stoffbeutels mit Bastelfilz für die nächste Kunststunde. Langsam weitete ich diese Praxis auf den Abend aus. Besonders in Phasen, in denen das Gedankenkreisen wieder zunahm, wurden die Zahlen zu meinem Anker. Wenn ich heute abends im Bett liege, nutze ich oft Zahlenfolgen von 7 bis 9 Stellen, um meinen Geist zu fokussieren. Es ist eine Technik, die den inneren Monolog unterbricht, bevor er Fahrt aufnehmen kann.
Warum das Zählen mehr ist als nur Mathematik
Es gibt Abende, da fühlt sich mein Kopf an wie ein Klassenzimmer nach einer Regenpause – laut, unordentlich und voller unerledigter Aufgaben. In solchen Momenten greife ich zu meinem Leinen-Heft. Das Kratzen meines Füllfederhalters auf dem schweren Papier ist ein Geräusch, das mich sofort erdet. Ich schreibe die Heilzahlen für den Schlaf langsam auf, Ziffer für Ziffer. Dabei achte ich besonders auf die Abstände zwischen den Zahlen. In dieser Konzentration liegt eine heilende Kraft. Es ist, als würde ich den Raum zwischen den Gedanken vergrößern.
Ein wichtiger Aspekt, den ich im Laufe der letzten Monate gelernt habe, ist, dass man nicht erst warten sollte, bis man im Bett liegt. Mein persönlicher Ansatz ist es, die Heilzahlen bereits am späten Nachmittag oder während der letzten Arbeitsstunden in den Alltag zu integrieren. Wenn ich merke, dass sich der typische Kloß im Hals bildet, etwa nach einem schwierigen Gespräch mit einer Kollegin, visualisiere ich die Zahlenreihe kurz. Das hilft, die Stresshormone bereits abzubauen, bevor sie sich für die Nacht aufstauen können. Es ist eine präventive Maßnahme, die verhindert, dass das Herzrasen morgens vor sechs überhaupt erst entsteht.
Ich erinnere mich an einen stürmischen Abend im Februar letzten Jahres. Der Wind rüttelte an den alten Fenstern meiner Zweizimmerwohnung, und in mir drin fühlte es sich genauso unruhig an. Ich hatte an diesem Tag eine Vertretungsstunde übernommen, und die alte Unruhe war sofort wieder da. Anstatt mich im Bett von einer Seite auf die andere zu wälzen, setzte ich mich noch einmal in die Küche. Ich trank meinen Tee und arbeitete ganz konzentriert mit den Zahlenfolgen für innere Balance. Es dauerte etwa zwanzig Minuten, bis ich spürte, wie sich die muskuläre Anspannung in meinen Schultern löste. Das Gefühl vom Kloß im Hals psychisch lösen durch mein Sonntagsjournaling ist seither ein fester Bestandteil meiner Abendroutine geworden.
Die Rolle der Heilzahlen im Alltag einer Lehrerin
Man darf sich das Ganze nicht als Wunderheilmittel vorstellen. Es gab Wochen, da haben mir die Zahlen gar nichts gesagt. Da saß ich am Tisch, starrte auf die Ziffern und fühlte mich einfach nur leer. In der ersten Augustwoche dieses Jahres, mitten in den Sommerferien, blieb mein Leinen-Heft sogar komplett ungeöffnet. Die Hitze über der Regensburger Altstadt war so drückend, dass selbst das Denken schwerfiel. Und das ist auch in Ordnung. Heilzahlen sind kein Pflichtprogramm, kein Lehrplan, den man abarbeiten muss. Sie sind ein Angebot an uns selbst.
Was ich jedoch beobachtet habe: Nach etwa sechs Wochen regelmäßiger Anwendung stellte sich ein Lerneffekt ein. Mein Gehirn begann, die Beschäftigung mit den Zahlenfolgen mit Entspannung zu verknüpfen. Es ist wie bei den Kindern in der Grundschule – Wiederholung schafft Sicherheit. Wenn ich heute eine bestimmte Sequenz sehe oder schreibe, signalisiert das meinem System: Jetzt ist Pause. Jetzt darfst du loslassen. Diese Konditionierung ist besonders wertvoll, wenn der Stresspegel im Alltag doch einmal wieder ansteigt.

In meinem alten Ringbuch von 2019, das noch im Regal steht, befinden sich viele Kinderzeichnungen der damaligen 3b. Manchmal schaue ich sie mir an und lächle. Früher hätte mich der Anblick traurig gemacht oder an den Burnout erinnert. Heute sehe ich die Zeichnungen als Teil meiner Geschichte, die nun ein neues Kapitel hat. Die Zahlen haben mir geholfen, die 23 Jahre Schuldienst zu ehren, ohne von ihnen erdrückt zu werden. Es ist eine Form der Selbstfürsorge, die ganz leise daherkommt, ohne großes Tamtam.
Kleine Rituale für die Nacht
Wenn du selbst unter Einschlafproblemen leidest, kann ich dir nur raten, klein anzufangen. Es muss nicht gleich das ganze Buch sein. Vielleicht reicht es, sich abends fünf Minuten Zeit zu nehmen, um eine Zahl, die sich für dich gut anfühlt, auf ein Stück Papier zu schreiben und dieses unter dein Kopfkissen zu legen. Ich benutze oft die Heilzahlen, die speziell auf die Beruhigung des vegetativen Nervensystems ausgerichtet sind. Warum das Schreiben im Leinen-Heft mit dem Zahlen-Code Buch so beruhigend wirkt, liegt vor allem an der bewussten Verlangsamung, die dieser Prozess erzwingt.
Natürlich möchte ich an dieser Stelle betonen, dass ich keine medizinische Ausbildung habe. Meine Erfahrungen sind rein persönlicher Natur. Wenn die Schlaflosigkeit chronisch wird oder mit schweren depressiven Verstimmungen einhergeht, ist der Gang zum Hausarzt oder zu einer psychotherapeutischen Beratungsstelle unerlässlich. Auch die Beratungsstellen der Lehrergewerkschaften können in solchen Fällen eine große Hilfe sein. Die Arbeit mit Zahlen kann eine wunderbare Ergänzung sein, ersetzt aber niemals eine notwendige medizinische Behandlung.
Manchmal sitze ich auch einfach nur da und schaue in den Schatten des Doms, der am späten Nachmittag über die Dächer der Altstadt wandert. Ich erkenne dann, dass Schlaf nichts ist, was man erzwingen kann. Man kann ihn nur einladen. Man bereitet das Bett, lüftet das Zimmer, trinkt seinen Tee und gibt dem Geist eine ruhige Aufgabe, wie das Visualisieren einer Heilzahl. Wenn der Geist beschäftigt ist, aber nicht überfordert, findet der Körper oft von ganz alleine in den Schlaf. Es ist ein wenig wie bei einer stillen Lesezeit in der Schule – wenn alle Kinder konzentriert in ihre Bücher vertieft sind, kehrt eine ganz besondere, friedliche Atmosphäre im Raum ein.
Jetzt, wo die Nacht über Regensburg hereingebrochen ist, werde ich mein Leinen-Heft zuklappen. Der Tee ist ausgetrunken, und die Müdigkeit kommt langsam, wie ein alter Freund, der an die Tür klopft. Morgen ist Montag, mein freier Tag, an dem ich vielleicht einen Spaziergang an der Donau machen oder in das Cafe Orphee gehen werde. Aber heute Abend genieße ich einfach nur die Gewissheit, dass ich die Werkzeuge habe, um zur Ruhe zu kommen. Die Zahlen sind für mich mehr als nur Codes; sie sind Symbole für die Erlaubnis, endlich einmal nicht funktionieren zu müssen.