Zaerin

Wie Sie mit der persönlichen Lebenszahl Ihre Bestimmung nach der Schule finden

Wie Sie mit der persönlichen Lebenszahl Ihre Bestimmung nach der Schule finden

An einem grauen Sonntagnachmittag saß ich mit lauwarmem Fencheltee am Küchentisch und rechnete zum ersten Mal meine Lebenszahl aus, weil die Stille nach dreiundzwanzig Jahren lauter Kreidezeit plötzlich kaum auszuhalten war. Draußen fiel leichter Regen auf das Pflaster der Ostengasse, und unten im Hof plätscherte der alte Steinbrunnen vor sich hin.

Der leere Raum zwischen achtundzwanzig und zwölf Stunden

Dreiundzwanzig Jahre lang war mein Leben in Fünfundvierzig-Minuten-Takte unterteilt. Wer so lange als Grundschullehrerin arbeitet, verliert das Gefühl dafür, wie sich Zeit ohne Glockenschlag anfühlt. Bis zum Januar jenes Jahres stand ich Woche für Woche vor der Klasse, gebunden an die regulären 28 Unterrichtsstunden des bayerischen Grundschuldienstes. Dazu kamen die Korrekturen am Küchentisch, die Vorbereitungen für den Heimat- und Sachunterricht, Elterngespräche am späten Nachmittag und das ständige Gefühl, für dreißig kleine Seelen gleichzeitig die Verantwortung zu tragen.

Als der Körper Ende 2023 schließlich die Notbremse zog – mit Schlaflosigkeit, morgendlichem Herzklopfen und diesem zähen, beklemmenden Gefühl im Rachen vor jeder Konferenz –, war der Schritt in die Altersteilzeit eine Erlösung. Doch die Reduzierung auf 12 Unterrichtsstunden, verteilt auf Dienstag- und Donnerstagvormittag, hinterließ ein seltsames Loch. Plötzlich waren da Montage, Mittwoche und Freitage, an denen das Schulhaus an der Clermont-Ferrand-Schule ohne mich aufwachte.

Wer ist man noch, wenn der Stundenplan nicht mehr vorschreibt, wer man zu sein hat? Ich ertappte mich im ersten Halbjahr immer wieder dabei, wie ich mittwochs ziellos durch die Wohnung ging, alte Arbeitsblätter sortierte oder den Einkaufszettel beim Bäcker Prantl dreimal neu schrieb, nur um eine Aufgabe vorzuweisen. Wenn die Pflicht wegfällt, verwechselt man die gewonnene Freiheit anfangs leicht mit Nutzlosigkeit.

Nahaufnahme eines offenen Notizhefts mit handschriftlichen Zahlenrechnungen und Bleistift am Holztisch

Das Aufschlagen des Leinenhefts an einem Sonntag im Juni

Das kleine Buch zum Zahlen-Code hatte mir eine alte Studienfreundin aus Augsburg mitgebracht, als wir uns im Frühsommer im Café Orphée trafen. Sie meinte damals nur, es sei etwas Ruhiges für das Wochenende, ganz ohne großen Anspruch. Es lag wochenlang auf dem Stapel der Wochenendzeitungen, neben der schiefen Lavendelvase vom Bauernmarkt am Neupfarrplatz, bevor ich es an einem stillen Sonntagnachmittag Ende Juni zum ersten Mal aufschlug.

Ich bin weder Numerologin noch Heilerin, und ich habe mein ganzes Berufsleben lang gelernt, skeptisch gegenüber einfachen Versprechen zu sein. Wer jahrelang Kindern das Rechnen beigebracht hat, sieht in Ziffern zunächst schlichte Symbole. Doch das Vorgehen im Zahlen-Code ist angenehm unaufgeregt: Man nimmt das vollständige Geburtsdatum und bildet die fortlaufende Quersumme aller Ziffern, bis am Ende eine einzige Zahl aus dem Spektrum von 1 bis 9 übrig bleibt.

Das leise Kratzen des weichen Bleistifts auf rauem Leinenpapier, während draußen im Hof der Steinbrunnen gleichmäßig plätscherte, hatte für sich genommen schon etwas Tröstliches. Man addiert Tag, Monat und Jahr, Schritt für Schritt, ganz ohne Hast. Für mich war dieser einfache Rechenvorgang kein magischer Akt, sondern eine Rückkehr zu klaren Linien auf dem Papier. Wer sich unsicher ist, wie dieser ruhige Moment am Wochenende aussehen kann, findet im Sonntagsjournaling oft schon durch das Berechnen kleinerer Einheiten Halt – wie ich es auch beim Thema die persönliche Tageszahl berechnen für mehr Gelassenheit im neuen Alltag für mich entdeckt habe.

Warum die Lebenszahl kein Ziel vorgibt, sondern ein Muster entlarvt

In den ersten Wochen dachte ich, die errechnete Zahl würde mir sagen, was nun mein »neues Projekt« sein müsste. Man liest in vielen Ratgebern schließlich ständig davon, dass man im Ruhestand oder in der Altersteilzeit eine neue Berufung finden, ein Ehrenamt übernehmen oder sich völlig neu erfinden solle. Das erzeugt denselben Druck, vor dem ich im Lehrerzimmer davongelaufen war.

Nach etwa vier Wochen regelmäßigen Schreibens im Leinenheft dämmerte mir jedoch ein ganz anderer Gedanke: Die persönliche Lebenszahl zeigt nicht ein fernes, hehres Ziel, das man noch erreichen muss. Sie zeigt vielmehr den Lebensbereich, den wir ganz bewusst unterbrechen und gewissermaßen sabotieren müssen, um überhaupt erst herauszufinden, wer wir jenseits unserer eingefahrenen Schablonen sind.

Im Zahlen-Code steht jede Ziffer für eine Grundschwingung, aber eben auch für die Falle, in die wir verlässlich tappen. Bei mir zeigte sich die Neigung, stets die ordnende, harmonisierende Instanz zu spielen – genau das Muster, das mich dreiundzwanzig Jahre lang im Klassenzimmer gehalten und schließlich erschöpft hatte. Ich musste diese antrainierte Rolle, überall für Struktur und das Wohl aller anderen sorgen zu müssen, ganz bewusst sabotieren. Ich musste lernen, an einem Mittwochvormittag einfach nur über die Steinerne Brücke nach Stadtamhof zu spazieren, ohne ein Ziel, ohne einen Auftrag und ohne den Drang, den Tag nützlich zu gestalten.

Blick aus dem Altbaufenster auf den kleinen Steinbrunnen im gepflasterten Regensburger Innenhof

Spätsommerlicher Neubeginn ohne Schulklingel

Ende September, als das neue Schuljahr begann und ich zum ersten Mal seit über zwei Jahrzehnten am ersten Schultag nicht um sieben Uhr im Lehrerzimmer stand, spürte ich die Veränderung körperlich. Ich saß am offenen Fenster, hörte die fernen Glocken der Altstadtkirchen und bemerkte ein spürbares Nachlassen des dumpfen Drucks im Halsbereich, der mich zuvor jahrelang an jedem Schultag begleitet hatte. Meine frühere Kollegin hatte nun die 3b übernommen; ich hatte lediglich meine zwölf Stunden, zwei ruhige Fächer, dienstags und donnerstags.

Die Bestimmung nach der Schule bestand für mich nicht darin, die nächste große Aufgabe zu finden. Sie lag darin, die eigenen Automatismen zu erkennen und ihnen nicht mehr blind zu folgen. Wenn man aufhört, das eigene Wesen nur über Leistung und Pflichterfüllung zu definieren, entsteht ein weiter, unbeschriebener Raum. Die Ziffern im Buch gaben mir keine Gebrauchsanweisung für die Zukunft, sondern dienten als Spiegel für das, was ich getrost ablegen durfte. Manche ehemalige Kolleginnen probieren in solchen Umbruchphasen gerne aufwendige Methoden aus oder vertiefen sich in lange Listen; wer sich für solche Sammlungen interessiert, schaut vielleicht einmal in die Heilzahlen nach Rosina Kaiser Liste für mein Sonntagsritual in der Altstadt hinein, über die ich an einem anderen Sonntag nachgedacht habe.

Natürlich ersetzt ein solches Notieren im Leinenheft weder eine medizinische Betreuung noch eine Psychotherapie. Wenn die Erschöpfung tief sitzt und der Körper streikt, gehören die Beschwerden in die Hände einer Ärztin oder eines Therapeuten – das habe ich in den Monaten vor meiner Altersteilzeit sehr deutlich gelernt, und kein Buch der Welt nimmt einem diesen Schritt ab. Aber für die stillen Stunden danach, wenn der Kopf wieder etwas klarer wird und man wieder lernt, wie sich das Zuhause ankommen nach der Schule durch mein Sonntagsjournal mit Heilzahlen tatsächlich anfühlt, kann eine Zahl am Küchentisch ein stiller, verlässlicher Begleiter sein.

Heute liegt das Buch oft tagelang geschlossen im Regal neben den alten Kinderzeichnungen. Ich brauche es nicht mehr jeden Tag. Aber an manchen Sonntagen, wenn die Donau im Herbstlicht silbern glänzt und der Fencheltee dampft, rechne ich wieder eine Zeile. Nicht, um zu erfahren, wohin ich gehen muss, sondern um mich daran zu erinnern, wo ich nicht mehr hinzurückfallen möchte.

Wichtig: Hier auf der Seite teile ich, was ich selbst durchgemacht habe -- kein medizinischer, finanzieller oder rechtlicher Ratschlag. Was bei mir funktioniert hat, muss bei dir nicht funktionieren. Sprich mit deinem Arzt, Steuerberater oder Anwalt, bevor du Entscheidungen triffst, die wirklich zählen.

Verwandte Artikel