
Ein Bleistiftstrich unter einer handgerechneten Zahl braucht am Sonntag eine ganze Weile, ein Mausklick in einer Software wie EasyRadionik liefert ein Ergebnis in einer Sekunde, und genau in diesem Abstand zwischen Langsamkeit und Tempo bewegt sich meine ganze Altersteilzeit-Routine mit dem Zahlen-Code. Für mich als frühere Grundschullehrerin, die dreiundzwanzig Jahre lang jede Rechenaufgabe einzeln kontrolliert hat, ist das keine kleine Frage: Wie viel von der Achtsamkeit, die mir mein Sonntagsjournal zurückgegeben hat, bliebe eigentlich übrig, wenn eine Maschine das Rechnen übernimmt?
Bevor es weitergeht, der übliche Hinweis: Manche Verweise in diesem Text sind Affiliate-Links. Kaufst du darüber ein Buch oder eine Software, bekomme ich eine kleine Provision, dein Preis bleibt genau gleich. Ich schreibe nur über Dinge, die ich entweder selbst in meinem Leinen-Heft durchgearbeitet habe oder die ich, wie die Radionik-Software in diesem Beitrag, offen als fremdes Terrain kennzeichne. Die vollständige Offenlegung findest du ganz unten auf der Seite.
Zwischen Leinen-Heft und Bildschirm in der Altersteilzeit
Seit meine Studienfreundin mir im Sommer 2024 das Zahlen-Code Buch von Rosina Kaiser in die Hand gedrückt hat, sitze ich sonntags mit Fencheltee und Leinen-Heft und rechne meine Tageszahl von Hand aus. Der Wasserkessel schaltet dabei irgendwann mit einem leisen Klick ab, meistens genau in dem Moment, in dem ich die Zahl der Woche notiere. Wie diese Rechnung im Einzelnen funktioniert, habe ich an anderer Stelle ausführlich beschrieben, hier soll es um etwas anderes gehen: um das, was passiert, wenn statt eines Bleistifts ein Programm übernimmt.

Der große Vergleich zwischen Papier und Bildschirm gehört eigentlich auf eine andere Sonntagsseite von mir. Hier bleibt es bei diesem einen Nachmittag und der Frage, die mir eine frühere Kollegin gestellt hat.
EasyRadionik taucht in meinem Sonntagsjournal auf — aber nur als Randnotiz
Helga Wittmann, mit der ich früher denselben Wasserkocher auf Sparstufe in der Lehrerinnen-Pausenküche geteilt habe und die inzwischen ebenfalls in reduzierter Arbeitszeit unterrichtet, hat mich vor ein paar Wochen nach einer Software gefragt, die auf dem Konzept der Radionik aufbaut. Konkret ging es um EasyRadionik – sie hatte gelesen, die Software solle Informationsfelder analysieren, und wollte wissen, ob so etwas inzwischen Teil meines Sonntagsjournals geworden ist.
Meine Antwort war ehrlich enttäuschend für sie: nein. Ich habe mir nur die Startseite angeschaut, mehr nicht. Das Thema liegt außerhalb dessen, was ich selbst durchlebt und in meinem Heft geprüft habe, und ich mag keine Empfehlung für etwas aussprechen, das ich nicht kenne.
Wer technisch tiefer einsteigen möchte, findet mit dem MeineRadionik-System einen strukturierteren Zugang, als ich ihn anbieten kann. Für eine ehrlichere erste Einschätzung als meine eigene gibt es EasyRadionik Erfahrungen für Anfänger – das habe ich nicht selbst getestet, aber es beantwortet Helgas Fragen ausführlicher, als ich es könnte. Und wer lieber ein geführtes Video-Format mag statt reiner Software, für den gibt es den MeineRadionik Premium Videokurs, den ich ebenfalls nur vom Namen her kenne.
Warum das Pflichtseminar meiner Bildungsgewerkschaft nicht half
Bevor der Zahlen-Code überhaupt in mein Leben kam, hat mich meine Bildungsgewerkschaft mitten im schleichenden Burnout zu einem Stressmanagement-Seminar geschickt. Es fühlte sich an wie eine weitere Pflichtfortbildung: Atemtechniken sollten in ein Merkblatt eingetragen werden, während der Kloß im Hals längst da war, bevor der Kurs überhaupt begonnen hatte.
Geblieben ist mir davon nur ein Merkblatt, das ich nie wieder aufgeschlagen habe. Mehr über den Kloß im Hals und das Herzrasen, das mich morgens vor sechs weckte, habe ich in Herzrasen und Stress lindern beschrieben. Hier soll es nur um dieses eine Seminar gehen, das eben nicht geholfen hat, so gut gemeint es auch war.
Woche sieben am Domplatz
Ende Oktober, in der siebten Woche nach jenem ersten Sonntag mit dem Zahlen-Code, stand ich nachmittags auf dem Domplatz vor dem Dom St. Peter, das Licht schon golden und tief im Herbst. Ich hatte nicht vor, irgendetwas an mir zu bemerken. Aber irgendwann zwischen den beiden Domtürmen bemerkte ich, dass mein Atem viel tiefer ging, als ich es selbst gesteuert hätte, ohne dass ich in diesem Moment überhaupt an eine Zahl gedacht hatte.
In den Kommentaren unter einem älteren Eintrag zur Tageszahl schrieb mir neulich Agathe Lindner, eine pensionierte Lehrerin aus München, die ursprünglich aus der Oberpfalz stammt und dienstags nach dem Frühstück ihr eigenes Ritual mit einem Notizbuch pflegt. Sie fragte, ob man die Tageszahl auch rückwirkend für vergangene Tage berechnen könne.
Diese Sehnsucht nach der nachträglichen, sauberen Erklärung ähnelt der Erwartung, eine Software solle in einer Sekunde liefern, wofür ich sonntags eine halbe Stunde brauche. Beides will das Ergebnis, ohne den unordentlichen Weg dorthin.
Nicht jeder Sonntag verläuft so leise erhellend wie jener Nachmittag am Domplatz. Es gab Wochen, in denen ich auf eine berechnete Fünf oder Acht starrte und schlicht nichts fühlte, keine Verbindung zu der Woche, die hinter mir lag. Das Leinen-Heft blieb dann zu, einmal sogar zwei Sonntage hintereinander. Das gehört genauso zur Routine wie die Momente, in denen etwas passt.
Dieser Vergleich zwischen Bildschirm und Bleistift führt bei mir zu keiner Absage an die Technik und zu keinem Bekenntnis dazu. Er bestätigt eher, dass die zwölf Stunden Unterricht, die ich jetzt noch gebe, und die halbe Stunde, die ich mir sonntags nehme, zusammen genug Halt bieten, ganz gleich ob irgendwann eine Software in mein Sonntagsjournal einzieht oder nicht.
Wenn du selbst überlegst, ob Papier oder Programm besser zu dir passt, probiere es in kleinen Schritten aus und erwarte nicht, dass eine einzelne Zahl oder ein einzelnes Werkzeug eine ganze Altersteilzeit ordnet. Manchmal reicht der Bleistiftstrich.
Alles Liebe, deine Kerstin