
Ein Leinen-Heft wiegt nichts, ein Smartphone in der Jackentasche kaum mehr. Und doch war der Unterschied zwischen beiden für mich lange eine offene Frage, seit ich in der Altersteilzeit nur noch dienstags und donnerstags vor einer Klasse stehe. Am Küchentisch in meiner Altstadt-Wohnung in Regensburg, im zweiten Stock über dem Hinterhof mit dem kleinen Steinbrunnen, liegt sonntags das eine, das Leinen-Heft mit der Tageszahl nach Rosina Kaiser. Unter der Woche trage ich manchmal das andere bei mir, wenn die Energie aus dreiundzwanzig Jahren Schuldienst und einem langsamen Burnout noch immer nicht so stabil ist, wie ich es mir nach dem Rückzug aus dem vollen Unterricht gewünscht hätte. Digitale Zahlen-Codes sind für mich kein Ersatz für das Ritual am Sonntag, sondern eine nüchterne Frage, die ich mir seither immer wieder stelle: Was von der energetischen Arbeit eines Sonntagnachmittags trägt tatsächlich bis in einen Unterrichtstag hinein, und was ist verschwunden, sobald die Wohnungstür in der Ostengasse ins Schloss gefallen ist?
Was vom Sonntagnachmittag bis Dienstagmorgen übrig bleibt
Zwölf Wochenstunden sind wenig verglichen mit einem vollen Deputat, aber sie reichen aus, um zu merken, ob eine Sonntagsruhe hält oder nicht. Dienstag und Donnerstag sind meine Messlatte, nicht weil ich das so geplant hätte, sondern weil die Schule an genau diesen beiden Tagen zeigt, was von der Woche zuvor noch da ist. Ob diese Ruhe über die ganzen zwölf Stunden trägt oder schon nach der ersten Pause verflogen ist, wäre eine eigene, längere Geschichte – hier interessiert mich etwas Kleineres: der digitale Anker, den ich mir manchmal zusätzlich setze, wenn zwischen Sonntagabend und Dienstagmorgen zu viel von der Energie verloren geht.

Der Unterschied zwischen Notwendigkeit und Gewissensberuhigung
Diese Frage stelle ich mir inzwischen bei jedem neuen Hilfsmittel, das mir jemand empfiehlt, und beantworte sie mit einer einfachen Prüfung, die sich leicht auf dich übertragen lässt. Vor dem Unterricht spüre ich kurz in den Körper hinein, ruhig oder eng in der Brust, und nur wenn Letzteres zutrifft, hole ich mein Handy heraus und lese die Tageszahl noch einmal, die ich mir sonntags notiert habe – manchmal als Foto der Heftseite, manchmal nur als kurze Notiz. Es ist kein Ritual mit eigenem Anspruch, eher eine Erinnerungsstütze, ungefähr so, wie man eine alte Postkarte in die Manteltasche steckt, bevor man aus dem Haus geht. Fühlt sich mein Körper ruhig an, bleibt das Handy in der Tasche, und ich vertraue der Arbeit vom Sonntag. Genau da liegt für mich der Unterschied zwischen einer Stütze und einer Krücke, die ich gar nicht brauche.
Warum MeineRadionik nicht meine Praxis ist
Marianne, eine alte Studienfreundin, erzählte mir vor einiger Zeit schnell und mit diesem typischen Feuer in der Stimme von einer Software, die Zahlenfolgen digital verschicken soll, fast so, wie man eine Nachricht abschickt. Was genau dabei technisch passiert, weiß ich bis heute nicht, und ich würde es niemandem empfehlen, der mich danach fragt, so wenig, wie ich eine Reparatur an meinem eigenen Auto erklären könnte. Aus Neugier habe ich mir das ein einziges Mal angesehen, vorsichtig und kurz, und was dabei herausgekommen ist, steht in meinen MeineRadionik Software Erfahrungen für mein Sonntagsjournal am Küchentisch – mehr als ein einmaliger, zurückhaltender Ausflug war das nicht. Von EasyRadionik oder dem MeineRadionik Videokurs habe ich seither nur über gelegentliche Leserinnen-Nachrichten gehört, nie aus eigener, laufender Anwendung.

Abendliche Spaziergänge, die nichts verändert haben
Nach den Elternabenden im vergangenen Herbst bin ich abends oft noch eine Runde gegangen, in der Hoffnung, damit das Herzrasen loszuwerden, das sich danach jedes Mal einstellte. Es hat nicht funktioniert, jedenfalls nicht so, wie ich es gebraucht hätte – der Puls beruhigte sich irgendwann von selbst, aber nicht, weil ich unterwegs war, sondern weil einfach Zeit verging. Das schreibe ich hier so offen, weil viele Ratgeber diesen Teil auslassen: Nicht jede Gewohnheit, die vernünftig klingt, tut auch das, was man sich von ihr erhofft. Der Duft aus Prantls Backstube, der sich manchmal durchs gekippte Küchenfenster in die Wohnung schiebt, beruhigt mich inzwischen zuverlässiger als jeder geplante Spaziergang es je getan hat, und das war eine der nüchternsten Lektionen der letzten Zeit.
Eine Grenze, die ich nicht verschieben will
Wenn ich heute mit der Hand über das raue Papier der Kinderzeichnungen aus der Klasse 3b fahre, die vorn im Regal neben dem Herd stehen, spüre ich keinen Widerstand mehr in der Brust. Das schreibe ich nicht als Beweis für irgendetwas, sondern als Beobachtung, mehr nicht. Die Ruhe, die aus dem Sonntagsritual selbst entsteht, beschreibe ich ausführlicher in Innere Ruhe stärken durch mein Sonntagsjournal in der Regensburger Altstadt; hier ging es nur um die schmale Grenze, die ein digitaler Anker nicht überschreiten sollte. Digitale Unterstützung darf ergänzen, sie darf nie an die Stelle von echter Erholung oder fachlicher Hilfe treten, wenn die Erschöpfung über Wochen bleibt. Wer das umdreht und die Zahl wichtiger nimmt als den eigenen Körper, verliert genau das, was die Zahl eigentlich zeigen sollte.